Jahrestag des Stadionunglücks in Lima (PER)

Heute vor 55 Jahren kam es im peruanischen Estadio Nacional in Lima zur größten – in Europa aber weitestgehend unbekannten – Katastrophe in der Geschichte des Fußballs. Je nach Quelle kamen beim Länderspiel Peru gegen Argentinien 350 Menschen ums Leben, bis zu 1.000 (die Zahlen schwanken je nach Quelle zwischen 500 und 100) weitere wurden teils schwer verletzt.

Ähnlich wie 25 Jahre später in Hillsborough war es auch hier ein polizeilicher Einsatzbefehl, der den Ausschlag für den Beginn der Tragödie gab.

Was war passiert? Da das Stadion schon zum Anpfiff mit 45-53.000 Besuchern bereits restlos gefüllt war, aber viele weitere Menschen versuchten, ins Stadion zukommen, wurden Ein- und Ausgänge des Stadions verschlossen. Als dann infolge eines aberkannten Treffers für die Heimmannschaft wenige Minuten vor Spielende zwei Personen auf den Platz stürmten, wurden diese von der Polizei derart gestoppt, dass es in Folge mit dem gleichzeitig verkündeten Spielabbruch zu einem Platzsturm kam. Die Polizei nutzte Tränengas und Hunde, nachströmende Fans zu stoppen. Auf der Flucht vor den Tränengaswolken versuchten daraufhin die meisten Zuschauer, das Stadion zu verlassen. Die Flucht wurde gestoppt durch nur nach innen zu öffnenden und zudem verschlossenen Tore, die – weil aus Wellblech konstruiert – nach einiger Zeit dem Druck der Menschenmenge nachgaben.
Im Verlauf der Tumulte im Stadion zwischen Polizei und Zuschauern kamen außerdem mindestens vier Personen durch Schüsse der Polizei ums Leben. Dem Unglück folgte aufgrund anhaltender Tumulte ein einmonatiger landesweiter Ausnahmezustand.
Ähnlich wie später in Hillsborough wurden auch hier zuerst gewalttätige Besucher als Auslöser für das Unglück benannt (besonders interessant hierzu der damalige Spiegelbericht [www.spiegel.de/spiegel/print/d-46174699.html], in dem vom „Arenaschlachtfeld“, „Mob“ und „Fußballfanatikern“ gesprochen wird und der es als Problem darstellt, dass der Maschendrahtzaun nicht unter Strom gestellt worden sei) – bis eine Untersuchung später ergab, dass erst der Tränengaseinsatz zu der Eskalation der Situation geführt hat. Eine offizielle Untersuchung und damit eine tatsächliche Aufarbeitung auch der Opferzahlen hat es nie gegeben, jedoch wurde der Chef der Stadionpolizei, der – auch dies eine Parallele zu Hillsborough – angab, die Konsequenzen seiner Handlung nicht bedacht zu haben – zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt.

Quellen:
www.nzz.ch/sport/fussball/die-todesfalle-in-lima-1.18307913 (Artikel vom 22.05.2014, zum 50. Jahrestag des Ereignisses)
www.bbc.com/news/magazine-27540668
www.nytimes.com/1964/05/25/archives/300-dead-in-lima-as-rioting-erupts-at-soccer-match-crowd-at-stadium.html
The 1964 Estadio Nacional Tragedy

On Mai 24th, 2019, posted in: News by Tags: , , ,