30ter Jahrestag des Hillsborough-Stadionunglücks

30 Jahre ist es heute her, dass bei einem der bis heute größten Stadionunglücke 96 Menschen starben und fast 800 Menschen verletzt wurden.
Das Geschehen wurde zwei mal aufgearbeitet. Einmal 1990 unmittelbar nach dem Unglück durch den (Lord Justice)Taylor Report (https://web.archive.org/web/20130619160223/http://www.southyorks.police.uk/sites/default/files/Taylor%20Interim%20Report.pdf) und dann in 2012 noch einmal von einem Independent Panel (https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/229038/0581.pdf?fbclid=IwAR0jatMy7krR1VMsr9jpBT3lrhGKfrqxc2nAa-ruToMueTPEYSIHrSN_IFs) – mit jeweils sehr gravierenden Unterschieden in Bezug auf die Frage, was zu den Ereignissen geführt hat.
Eine der wesentlichen Forderungen des Taylor Reports war die Abschaffung der Stehplätze – allerdings hätten es auch schon damals deutlich mehr Erkenntnisse geben können, hätten nicht wesentliche Beteiligte von seiten des Stadions und der Polizei über die Abläufe gelogen. Bis zum Erscheinen des neuen Reports in 2012 wurden immer wieder die “rücksichtslosen” Fans als Auslöser genannt und erst der neue Report hat das komplette Organisationsversagen und die Lügen vieler Beteiligter herausgearbeitet. Wir nutzen das Beispiel regelmäßig, um die 1993 von Fruin postulierte Aussage “Inappropriate or poorly managed control procedures have precipitated crowd incidents rather than preventing them.” (https://pdfs.semanticscholar.org/467d/5d641b43f4f7eaca3703e0b2390c60a685b2.pdf?fbclid=IwAR3m6jDhoak8MCAiP-dS4dAJSdo5gTsfrKsVuZj_2catbS5dwX4SxflxHBk) zu erklären – nicht um mit dem Finger auf jemanden zu zeigen (wie könnten wir) sondern um herauszuarbeiten, dass sicherlich niemand in eine solche Lage kommen möchte, “irgendetwas tun zu müssen” um das Beste aus einer Situation zu machen – mit dem Ergebnis, durch das Handeln Dinge noch zu verschlimmern. In diesem Zusammenhang geht es leider regelmäßig auch immer um das Handeln der Polizei, die auf der einen Seite nun mal diejenigen sind, die am Ende regelmäßig auch ad hoc einspringen müssen, die durchaus aber auch das Potential haben, Entscheidungen unabgesprochen umzusetzen und “die anderen” vor vollendete Tatsachen zu stellen – konterkarierende Schutzziele sind oftmals vorprogrammiert. Wir haben erfreulicherweise immer mal wieder die Möglichkeit, dieses Thema auch bei der Polizei vorzutragen und können dort auch immer wieder feststellen, dass sich natürlich niemand wünscht, in eine solche Situation zu kommen – dass die Ausbildung der Polizei gerade aber in Bezug auf den Umgang mit großen Menschenmengen keine wirkliche Vorbereitung in Bezug auf präventives Crowd Management bietet, sondern auf standardisierte Crowd Control Maßnahmen abzielt. Und so wäre es sicher auch gut gewesen, wenn das polizeiliche Handeln im Rahmen der Loveparade besser untersucht worden wäre – auch hier: nicht um mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, sondern um herauszuarbeiten, wo die Grenzen “standardisierten polizeilichen Handelns” sind. Hillsborough sollte allen ein mahnendes Beispiel sein, was passiert, wenn schlechte Planung auf fehlende Kommunikation und Zusammenarbeit stoßen und wir müssen alle unseren Teil dazu tun, dass niemand jemals mehr in eine Situation kommt, wie der damalige match commander David Duckenfield.

https://www.bbc.com/…/topi…/cdn7d1m9k5et/hillsborough-trials

https://www.geo-television.de/…/hillsborough-die-wahre-gesc…

#crowdmanagement
#crowdcontrol
#interorganisationaleZusammenarbeit
#Learningfromdisasters

On April 15th, 2019, posted in: News by