Das ist passiert


Die IBIT-WelleEigentlich wollten wir ja etwas ganz anderes schreiben: ein bisschen darüber jammern, dass wir so viel zu tun haben, so viel unterwegs sind. Und voller Stolz unser neues MAGAZIN für Sicherheitskultur präsentieren. Und dann auch noch was Lustiges über die nächste eskalierte Autogrammstunde schreiben – bis hin zu einem ernsteren Blick auf das Thema “Strukturen” am Beispiel der zusammengbrochenen Marilyn Manson Deko und des eingebrochenen Geländers bei einem Fussballspiel in Frankreich. Statt dessen sitzen wir hier und wissen nicht, was wir sagen, wie wir adäquat reagieren können. Ein Mensch schiesst – so der aktuelle Medienstatus – über 4 Minuten von einem Hochhausdach auf eine Konzertmenge. 58 Menschen sterben, über 500 sind verletzt. “Ein 64jähriger Waffennarr” sei es gewesen und es wird momentan berichtet, dass es keinen islamistischen Hintergrund gibt, obwohl es ein angebliches Bekennerschreiben von dieser Seite gibt. Die Berichterstattung haben wir schon ausgeschaltet – die Bilder sind immer die gleichen, die Informationslage dünn und daher sich wiederholend. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als selbst nachzudenken. Natürlich ist das Thema “leichter Zugang zu Waffen” ein sehr amerikanisches – aber auch in Deutschland ist es zumindest nicht unmöglich, an eine Waffe zu gelangen. Zugängliche Dächer gibt es auch nahezu überall – jede Marktplatzveranstaltung ist umgeben von potentiell erhöhten Schießpositionen. Wie also umgehen mit einem solchen – so wirkt es momentan – willkürlichen Akt? Dies wirf die Frage auf, ob es von Bedeutung ist, aus welchen Gründen ein Täter handelt. Ist der durchgeknallte Irre, der möglicherweise aus einer emotionalen Frustration handelt für unsere Sicherheitsplanung auf eine andere Weise relevant als der rational durchgeplante Terrorist?
Verhindern können wir das eine wie das andere kaum. Wir können nur versuchen, immer besser zu werden – in Bezug auf unsere Planung, auf die Stärkung unserer Reaktionsfähigkeit. Alarmierungsprozedere und gelernte Abläufe. Und deswegen ist es wohl doch okay, über Pietro Lombardi zu schreiben (https://www.derwesten.de/…/gefahr-einer-massenpanik-auftrit…). Denn genau ein solches Ereignis “Gefahr einer Massenpanik!” / “Mit so einem Ansturm hat man nicht gerechnet” (Zusatzinfo: 22 Millionen Klicks bei YouTube für aktuellen Song) zeigt, dass noch eine ganze Menge Hausaufgaben zu erledigen sind. Auf ganz unterschiedlichen Professionalisierungsstufen. Aber darum geht es: wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Wir können nicht darüber nachdenken, wie wir ein solches Ereignis wie die heutige Schiesserei verhindern können – denn das können wir (nahezu) nicht. Aber wir müssen darüber nachdenken, wie wir uns darauf vorbereiten können, wie wir unserere Reaktionsfähigkeit verbessern können. Wie wir dafür sorgen, dass in Todesangst flüchtende Menschen genau das tun können: flüchten. Wissen wohin, über freie Wege und offene Tore. Die ersten Videos, die wir heute morgen über die Schiesserei gesehen haben, haben ein paar Handlungsansätze aufgezeigt – aber es ist zu früh, hier Mutmaßungen anzustellen (auch, wenn wir sie nur für unsere Denkansätze nutzen). Aber natürlich müssen wir genau das tun: das, was anderen passiert ist, nutzen. “Was würdest Du in einer solchen Situation tun” ist eine Frage, die wir im Rahmen der Notfall- & Kontinuitätsplanung regelmäßig stellen. Durch das “Durchdenken” kann man eine ganze Menge lernen – auch, wenn uns die direkte Schadenerfahrung fehlt. So kann man durchaus mal darüber nachdenken, welche ShowStopp Prozeduren man selbst vorbereitet hat, für den Fall, dass die Bühnendeko über dem Künstler zusammenbricht (https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.nach-schwerem-…) oder was zu tun ist wenn – wie bei einem Fussballspiel in Frankreich geeschehen – ein Geländer bricht (https://www.t-online.de/…/tribuenengelaender-eingebrochen-mi…) – Kleiner Tipp hier: großen Abstand zu sich im TV äußernden schnell hinzugerufenen “Experten” halten ist ein guter Anfang.
In diesem Kontext ist es dann wohl auch okay, wenn wir dann doch auch über unsere eigenen Weiterbildungen, unsere Arbeit und unser neues MAGAZIN schreiben. MAGAZIN für Sicherheitskultur (www.ibit.eu/magazin/) heisst es und soll es sein. Eine Plattform für Menschen, die etwas zu sagen haben, die bereits sind, Wissen zu teilen und anderen damit helfen, ihre Hausaufgaben zu machen. Denkansätze liefern oder auch konkrete Handlungshilfen. Jeder ist eingeladen, sich zu beteiligen. Vielleicht schreibt ja jemand für die nächste Ausgabe, die pünktlich zur Fachtagung erscheint, über ein “Ego Shooter Szenario”. Oder eine Autogrammstunde. Denn auch das darüber-Schreiben hilft – sich Klarheit zu verschaffen und sich letztendlich auch nicht mehr so ohnmächtig zu fühlen, wie man es im Zuge z.B. der heutigen Bilder schon mal tun könnte. Wir können etwas ändern. Und besser machen. Wir müssen es nur tun.

On Oktober 2nd, 2017, posted in: News by