19.10.2021 - 20.10.2021

Die IBIT Fachtagung
Veranstaltungssicherheit

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Fachtagung

Barclaycard Arena Hamburg

20.11.2018 - 21.11.2018

Rückblick

Nach dem Start der Fachtagung Veranstaltungssicherheit im Wissenschaftszentrum Bonn (2014/2015) und zwei erfolgreichen Fachtagungen im Kölner RheinEnergieSTADION, fiel die Wahl für die 5. Fachtagung auf Hamburg. Mit der Metropole im Norden sowie der Hamburger Barclaycard Arena, einer Indoor-Multifunktionsarena, hatte die Tagung damit einen Veranstaltungsort gefunden, der sowohl inhaltlich als auch räumlich neue Möglichkeiten eröffnete, insbesondere im Hinblick auf den deutlich vergrößerten Ausstellungsbereich. Die Lage der Arena machte es uns dann auch leicht, den internationalen Aspekt der Tagung weiter auszubauen. Mit Sprechern und Teilnehmern aus Großbritannien und Skandinavien ergaben sich neue Themen- und Netzwerkpotentiale und auch die sehr aktive Szene der Veranstalter erweiterte die Zielgruppe und lieferte Ideen für Diskussionsrunden im Verlauf der beiden Konferenztage.

So waren es am Ende sogar sieben Themenschwerpunkte, die wir den rund 400 Besuchern anbieten konnten. Ein umfassendes Rahmenprogramm, das neben der großen Konferenzparty und einem 1.500m² großen Ausstellerbereich im Innenraum der Arena auch eine professionelle Feuerlöschübung, einen „Finde-den-Fehler-Parcours“ und eine Arenaführung umfasste, rundeten die Jubiläumstagung ab

Themenschwerpunkt 1: Best Practice
Die Best Practice Sessions haben sich zu einem festen Bestandteil der Fachtagung entwickelt – geht es doch nicht darum, sich selbst zu beweihräuchern, sondern darum, gute Lösungen vorzustellen, Schwierigkeiten in der Planung und Umsetzung zu diskutieren und sich kritisch auch mit den eigenen Erfahrungen auseinanderzusetzen. Beste Voraussetzungen also, voneinander zu lernen.

Den Anfang machte Jörg Kalitowitsch mit dem Vortrag „Die Christopher Street Day-Parade in Köln – Versammlung vs. Veranstaltung“. Man konnte dem Sprecher jederzeit anmerken, wie wichtig ihm das Thema war – verbunden aber auch mit einer realistischen Bewertung der Möglichkeiten und Notwendigkeiten der sich ständig ändernden Anforderungen an die Planung insbesondere der Paraden. Mit Erfahrungen sowohl aus dem Christopher Street Day als auch dem Kölner Rosenmontagszug konnte er auf ein großes Repertoire an Hilfsmitteln zurückgreifen, die er bereitwillig mit den Zuhörenden teilte: Von der Checkliste für die Fahrzeugabnahme über die sehr ausführlichen Teilnahmebedingungen hin zu den Schulungen für die Wagenleiter*innen sowie auch die begleitenden Wagenengel füllte Jörg Kalitowitsch den Anspruch, Wissen zu teilen mit Begeisterung und viel nutzbaren Informationen. 4 Der zweite Vortrag des Tages „Die Sache mit den Zahlen: Besucherzählung & -monitoring am Beispiel der Amtseinführung Donald Trumps“ wurde von Marcel Altenburg (Manchester Metropolitan University) präsentiert. Insbesondere am Beispiel der Vereidigung des amtierenden amerikanischen Präsidenten sowie des Women’s March zeigte er in seinem Vortrag den Weg von einer vermuteten Besucherzahl zu einer belastbaren Aussage. Am Anfang der Betrachtung (und seines Vortrages) steht dabei immer die Frage der Bewertung von Dichte sowie den Schwierigkeiten, die schon allein mit unterschiedlichen Betrachtungsperspektiven beginnen. Hieran knüpfte er das Handwerkszeug für eine realistische Einschätzung an: Die Vermessung von Flächen und Wegen, die Beantwortung der RAMP Fragen (routes –areas – movement – profile) sowie die Berücksichtigung des zeitlichen Aspektes. Ausgehend von einer neutralen Frage: „was ist die Kapazität einer Fläche“ über die Frage, welche Befüllung, welche Dichte erwartet und toleriert wird und wann welche Stufen der Befüllung vermutlich erreicht werden, schafft er so eine einfache Vergleichsmatrix für die Bewertung einer tatsächlichen Befüllung. Zusammen mit zugeordneten Indikatoren (Fahrten U-Bahn etc.) kommt man so zu einer belastbaren Abschätzung der Zahlen, die sich zum Teil deutlich von der subjektiven (gewollten) Einschätzung aufgrund eines bloßen „Draufschauens“ unterscheidet. 4 Der nächste Best Practice Vortrag führte die Teilnehmer nach Wien. Unter dem Titel „Das Sommernachtskonzert im Schlosspark Schönbrunn: Sicherstellung eines geordneten Zu- und Abstroms einer öffentlichen Veranstaltung“ berichtete Matthias Brezina von der Se2 Solutions Service & Security GmbH über eine der größten Klassikveranstaltungen weltweit. Der historische Schlosspark und die Organisation als kostenloses Konzert stellen die Veranstalter und die Sicherheitsplaner Jahr für Jahr vor besondere Herausforderungen insbesondere im Hinblick auf die vorhandenen Kapazitäten. Neben einer speziellen Wegführung durch den Park, die eine geordnete Befüllung der verschiedenen Besucherbereiche ermöglicht, spielte insbesondere auch die Zählung der Besucher, die kontinuierliche Kontrolle der Zahlen sowie die Implementierung vorbereiteter Maßnahmen (z.B. Kommunikation eines Anreisestopps) eine große Rolle, um eine Überschreitung der Maximalkapazität zu verhindern. 4 Den Abschluss dieses Themenstranges gestaltete Morten Therkildsen (RX Experience / Safety) mit dem (in englischer Sprache gehaltenen) Vortrag „35.000 Volunteers and a new barrier system: Experiences from Roskilde 2018“. „8 days. 130.000 visitors. 180 music acts. Spectacular art + events“ – das Ganze einmal im Jahr umgesetzt mit 35.000 Freiwilligen, von denen rund 6.500 im Sicherheits- und Servicebereich eingesetzt werden. Morten Therkildsen stellte in seiner Session dar, welche Energie das Festival in die Motivation und die Qualifizierung der Freiwilligen steckt – und wie sehr dies auch die Atmosphäre der gesamten Veranstaltung prägt. Wer im Vorfeld des Vortrags jedoch glaubte, sich hier Informationen über den Einsatz „günstiger“ Helfer holen zu können, wurde nicht fündig. Im Gegenteil: Der Aufwand, den das Festival betreibt, um die Ehrenamtler zu schulen und auszustatten, übertrifft eine „normale“ Bezahlung deutlich.  widmete sich Stephan Leukert unter dem Titel „Ausschreiben – wie bekomme ich den Dienstleister, der wirklich zu mir und meiner Veranstaltung passt?“ dem oft lästigen wie komplexen Thema der Ausschreibungen von Sicherheitsdienstleistungen und widmete sich dabei sowohl den Ausschreibenden als auch den Bietern. Leukert beleuchtete in seinem Vortrag beide Seiten und erläuterte dabei, wie Suchende so ausschreiben können, dass am Ende nicht „der Billigste“ gewinnt, sondern durch die Definition von Ausschlusskriterien und die unterschiedliche Gewichtung von Eignung und Zuschlagskriterien auch kaufmännische Seriosität, Aus- und Weiterbildungskonzepte sowie die fachliche Eignung von Sicherheitsdienstleistern eine höhere Berücksichtigung in der Auswertung von Ausschreibungen einnehmen. Eingegangen ist er ebenfalls auf die notwendige Trennung zwischen Sicherheits- und Ordnungsdienstleistungen sowie die Anforderungen aus der neuen DIN 77200, die ebenfalls einen dezidierten Anforderungskatalog bietet. 4 Der folgende Vortrag „Der Geist aus der Gasflasche – Basics der Veranstaltungssicherheit“ von Falco Zanini war zwar – wie der Untertitel „Basics der Veranstaltungssicherheit“ schon verriet – als Grundlagensession angekündigt, entpuppte sich aber als hervorragende Session auch für „alte Hasen“, die natürlich auch im Publikum saßen. Falco Zanini widmete sich in seinem Vortrag zunächst den klassischen Risiken auf Veranstaltungen, wie sie täglich zu Hunderten stattfinden und fütterte das Publikum fleißig mit Fakten. Von den Einflüssen der Temperatur auf den Druck in Gasflaschen über Strom und den dazugehörigen Leitungen und Kabel bis zu Organisationsproblemen wie Unordnung und Hygieneproblemen stellte er Lösungen vor, gab Praxistipps und verwies auf Dokumente wie Checklisten, Verordnungen und Vorschriften. Den Vortrag haben wir leicht gekürzt auf den Seiten 14/15 mit der freundlichen Genehmigung von Falco Zanini veröffentlicht.

Themenschwerpunkt 2: Die Rolle der Dienstleister
Der 2016 unter dem Titel „Dienstleister, Infrastruktur, Sicherheitskultur“ eingeführte Themenstrang wurde zuerst misstrauisch beäugt, hat sich aber in den folgenden Jahren – bei leichter Variation des Schwerpunktnamens – als fester Programmpunkt der Tagung etabliert. So ist inzwischen doch den meisten klar geworden, was Konsequenzen eines fehlenden Splintes in einem Fahrgeschäft oder einer nicht fachmännisch gelagerten Gasflasche sind. Und eben jene Gasflasche sollte im Laufe des Tages auch Aufhänger für einen Vortrag im Schwerpunkt „Dienstleister“ sein, der zwar mit zwei Vorträgen kurz war, dafür mit Falco Zanini (Falco Zanini Event Safety) und Stephan Leukert (von zur Mühlen’sche GmbH) mit zwei langjährigen Begleitern und in der Branche bestens vernetzten und anerkannten Dozenten aufwarten konnte.

Im ersten Vortrag des Themenstranges widmete sich Stephan Leukert unter dem Titel „Ausschreiben – wie bekomme ich den Dienstleister, der wirklich zu mir und meiner Veranstaltung passt?“ dem oft lästigen wie komplexen Thema der Ausschreibungen von Sicherheitsdienstleistungen und widmete sich dabei sowohl den Ausschreibendenals auch den Bietern. Leukert beleuchtete in seinem Vortrag beide Seiten und erläuterte dabei, wie Suchende so ausschreiben können, dass am Ende nicht „der Billigste“ gewinnt, sondern durch die Definition von Ausschlusskriterien und die unterschiedliche Gewichtung von Eignungsund Zuschlagskriterien auch kaufmännische Seriosität, Aus- und Weiterbildungskonzepte sowie die fachliche Eignung von Sicherheitsdienstleistern eine höhere Berücksichtigung in der Auswertung von Ausschreibungen einnehmen. Eingegangen ist er ebenfalls auf die notwendige Trennung zwischen Sicherheits- und Ordnungsdienstleistungen sowie die Anforderungen aus der neuen DIN 77200, die ebenfalls einen dezidierten Anforderungskatalog bietet. 4 Der folgende Vortrag „Der Geist aus der Gasflasche – Basics der Veranstaltungssicherheit“ von Falco Zanini war zwar – wie der Untertitel „Basics der Veranstaltungssicherheit“ schon verriet – als Grundlagensession angekündigt, entpuppte sich aber als hervorragende Session auch für „alte Hasen“, die natürlich auch im Publikum saßen. Falco Zanini widmete sich in seinem Vortrag zunächst den klassischen Risiken auf Veranstaltungen, wie sie täglich zu Hunderten stattfinden und fütterte das Publikum fleißig mit Fakten. Von den Einflüssen der Temperatur auf den Druck in Gasflaschen über Strom und den dazugehörigen Leitungen und Kabel bis zu Organisationsproblemen wie Unordnung und Hygieneproblemen stellte er Lösungen vor, gab Praxistipps und verwies auf Dokumente wie Checklisten, Verordnungen und Vorschriften. Den Vortrag haben wir leicht gekürzt auf den Seiten 14/15 mit der freundlichen Genehmigung von Falco Zanini veröffentlicht.

Themenschwerpunkt 3: Aus dem Elfenbeinturm in die Praxis
Der Themenschwerpunkt 3 mit dem Titel: „Aus dem Elfenbeinturm in die Praxis“ umfasste insgesamt vier Präsentationen, die jeweils die (Zwischen)Ergebnisse eines aktuellen Forschungsprojektes vorstellten. Wie schon in den letzten Jahren war das Interesse der Besucher an der Thematik „wie kommen die Forschungsergebnisse zum Endanwender“ groß.

Unter dem Titel „Meine Mitarbeiter, meine Vollidioten – Überdeckt das Festhalten an Mythen reale Fortschritte in der Branche der Veranstaltungsdienste?“ präsentierten Dr. Patricia M. Schütte und Malte Schönefeld (Bergische Universität Wuppertal) Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt ProVOD – Professionalisierung des Veranstaltungsordnungsdienstes. Kern des zugrundeliegenden Arbeitspaketes ist die Wahrnehmung der Dienstleistung durch die Dienstleister selbst und durch die mit ihnen interagierenden Akteure. Ausgehend von der häufig zu findenden schlechten Meinung über die Sicherheitsbranche an sich deckten sie einen Teil der mit ursächlichen Faktoren auf: unrealistische Anforderungen, Vorurteile, problematische Arbeitsbedingungen usw. Ohne die grundsätzlichen Probleme schönzureden, entstand so ein Bild einer Branche, die sich sehr wohl um Professionalität bemüht, dabei aber mit strukturellen Herausforderungen zu kämpfen hat, die eine nachhaltige, geschweige denn schnelle Verbesserung nahezu unmöglich machen. 4 Im Anschluss daran präsentierte Thomas Kubera (Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen) die Ergebnisse des bereits beendeten Projektes SiKomFan. „Anwendungsorientierte Forschung im Bereich von Großveranstaltungen – Verwertung von Erkenntnissen am Beispiel des BMBF-Projektes SiKomFan“ setzte bei den komplexen interorganisationalen und externen Kommunikationsbeziehungen zwischen den Akteuren von Großveranstaltungen – hier am Beispiel Fußball – an. Besonders hervorgehoben wurde dabei die Bedeutung von Vertrauen und Transparenz, die die Grundlage für schnelles Reagieren darstellen. Nachzulesen sind die Ergebnisse des Projektes bereits in verschiedenen Veröffentlichungen, so zum Beispiel im Praxishandbuch: „Sicherheit und Kommunikation bei Fußballgroßveranstaltungen“, Thomas Kubera (Hg.), Richard Boorberg Verlag, Stuttgart 2018. 4 Juliane Adrian vom Forschungszentrum Jülich widmete sich als nächste Sprecherin einem vollkommen anderen Thema: „Drängeln oder Schlange stehen: Wie Absperrungen und Motivation das Verhalten in Einlasssituationen beeinflussen können“ Beginnend mit einer Auswahl an Unglücken, in denen hohe Dichten und Gedränge eine Rolle spielten, zeigte Juliane Adrian die klassischen Auslösefaktoren für Stau: zu geringe Verkehrswege mit zu vielen Menschen, betonte aber gleichermaßen, dass Stau nicht zwingend problematisch sei – im Gegensatz zum Gedränge. Es folgte eine Übersicht über eine Reihe von experimentellen Konstellationen, die alle der einen Frage folgten: Wie lassen sich Einlasssituationen – als Situationen, in denen es zu Gedränge kommen kann – durch räumliche Gestaltung (Aufbau von Gittern) beeinflussen? Besonders relevant war dabei die Frage, ab welcher Gangbreite der Übergang zwischen von Normen geprägtem Schlange-Stehen und Gedränge kommt. Relevant waren hierfür nicht nur quantitative Faktoren (Pers / m²), sondern auch qualitative, z.B. die Frage, als wie gerecht die Schlange bzw. der Anstehprozess bewertet wird. 4 Das letzte Forschungsprojekt, das in diesem Themenstrang vorgestellt wurde, war unter dem Titel „Keine Party ohne MONICA – Internet der Dinge bei Großveranstaltungen“ das internationale Projekt MONICA – Management Of Networked IoT Wearables – Very Large Scale Demonstration of Cultural and Security Applications, das von seinem Koordinator, Dr. Marco Jahn (Fraunhofer FIT) vorgestellt wurde. Zum Verständnis des Projektes bedurfte es zuvor einer grundlegenden Erklärung des Konzeptes des „Internet der Dinge“ – im Rahmen dieses Projektes genutzt zur Verbesserung des Besuchererlebens, der Sicherheit aber auch des akustischen Erlebens. Insbesondere Letzteres wurde mit großem Interesse aufgenommen, stellt sich doch die Frage nach einem guten Konzerterleben bei minimaler Belastung, z.B. der Anwohner für die meisten Veranstalter. Auch die Möglichkeiten im Bereich des Trackings von Personen und dem Erkennen von Personendichten wurden aufgezeigt – und dabei wurde – wie auch in den anderen Vorträgen zuvor – einmal mehr deutlich, wie groß der Nutzen der Projekte sein kann – immer gesetzt dem Fall, dass die Ergebnisse auch beim

Themenschwerpunkt 4: Grundsatzfragen
Unter dem Stichwort Grundsatzfragen haben wir eine Reihe von Fragestellungen gesammelt, die entweder Basiswissen vermitteln oder übergeordnete Themen behandeln sollten.

Den Anfang machte Ralf Zimme (IBIT GmbH) mit einem ausgebuchten Vortrag über Räumungskonzepte. Das große Interesse der Teilnehmer zeigte, dass es zu dem Thema noch viele Fragen gibt. Beginnend mit einem Blick auf die inhaltlich nicht neue, durch die gesonderte Heraushebung in der MVstättVO aber neu in den Fokus gerückte Forderung nach der Erstellung eines Räumungskonzeptes wurden strukturiert die notwendigerweise zu beschreibenden bzw. zu organisierenden Faktoren abgearbeitet: Auslösekriterien, handelnde Personen, Räumungsarten (geplant / ungeplant – gerichtet / nicht gerichtet – Teilräumung / Gesamträumung). Diskutiert wurden auch die regelmäßigen Herausforderungen („wie bringe ich die Menschen dazu, adäquat zu reagieren“ oder „welche Vorkehrungen bedarf es für mobilitäts- und / oder wahrnehmungseingeschränkte Menschen) sowie die Qualifizierungsnotwendigkeiten für die Räumungshelfer. Besonderes Interesse fanden in diesem Zusammenhang auch die bei der Konferenz ausgehändigten Reaktionskarten als Hilfsmittel und Unterstützung. 4 Unter dem Motto „Unbequeme Themen“ folgte dann eine der spannendsten Diskussionen der Tagung, sollte es doch um Themen geben, über die man sonst nicht so gerne spricht: sexualisierte Gewalt, Drogen, Kriminalität usw.. Diskutiert haben: • Yvonne Mahling (DEF Media GmbH) • Jörg Kalitowitsch • Bernd Belka (Special Security Services) • Inga Roßbach (FKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH) • Ansgar Hagen (Leiter Davidwache Hamburg) • Andy Mestka (S-Hoch 3 AG) • Jacob Bilabel (Thema1) Wie aktuell und wie relevant die Themen auch sind, zeigt sich daran, dass schon das erste Thema der sexualisierten Gewalt nahezu die komplette Diskussionszeit einnahm. Beginnend von der Vorstellung aktueller Kampagnen („wo geht es nach Panama“) bis hin zu der sicherlich provokanten und entsprechend hitzig diskutierten Frage, ob nicht gerade auch im Clubbereich ein gewisses Maß an Sexualisierung auch Teil der gewünschten Atmosphäre ist. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass das Thema noch lange auf der Agenda bleiben wird und dass die bestehenden Kampagnen zwar Wirkung zeigen, dass die Anzahl der immer noch realisierten Übergriffe aber auch deutlich zeigt, wie viel noch getan werden muss. In diesem Zusammenhang wurde besonders die Frage diskutiert, wo die Kampagnen eigentlich ansetzen müssen – wobei sich alle Diskutanten hier auch einig waren, dass der Erziehungsauftrag sicherlich nicht beim Veranstalter liegen kann. Ein neues Experiment startete dann mit dem letzten Part des Themenstrangs: Unter dem Titel „Grundfragen der Sicherheitsplanung“ versammelten sich die IBIT Dozenten Bernd Belka, Sabine Funk und Ralf Zimme auf dem Podium, um sich den Fragen der Teilnehmer zu stellen. Nach anfänglicher Irritation im bis auf den letzten Stuhl gefüllten Plenum, dass es tatsächlich keinen Vortrag gibt und dass die Referenten auch tatsächlich kein Thema vorbereitet hatten, entstand schnell eine äußerst interaktive Diskussion, in deren Verlauf Fragen auch immer wieder aus dem Publikum selbst beantwortet wurden. Und so reichte die Themenvielfalt auch von den Planungsfaktoren für Einlässe bis hin zum aktuellen Standard für Blitzschutzeinrichtungen auf Veranstaltungen. Gezeigt hat das Experiment vor allem, dass „das Wissen“ eigentlich da ist – mal bei dem einen, mal bei dem anderen, mal in Form theoretischer Konzepte, mal in Form praktischer Lösungsbeispiele – dass es aber eine übergeordnete Plattform braucht, das Wissen auch zusammenzubringen.

Themenschwerpunkt 5: Kommunikation und Psychologie
Der Faktor Mensch, sein Verhalten und die damit zusammenhängenden psychologischen Fakten bekommen bei der Planung von Veranstaltungen immer noch viel zu selten die notwendige Aufmerksamkeit. Der Themenstrang „Psychologie & Kommunikation“ soll helfen, Fehlannahmen in diesem Bereich zu minimieren und die notwendige Aufmerksamkeit zu schaffen.

Unter dem Titel ”The Group Psychology of Mass Emergencies – and how to manage it” eröffnete Prof. John Drury der Themenstrang. Dass ihm das Thema am Herzen liegt, wurde auf den ersten Metern klar. So räumte er zu Beginn mit den Fehlannahmen des egoistischen, Großmütter und kleine Kinder über den Haufen rennenden Menschen auf – sieht er doch hier eine Grundlage für fehlgeleitete Planung und verlorene Chancen gerade auch im Bereich des Notfallmanagements. Auf der Basis zweier von ihm durchgeführter interviewbasierter Studien über die Erfahrungen von Überlebenden verschiedener Unglücke verdeutlichte er noch einmal, wie weit die Menschen tatsächlich davon entfernt sind, in „Panik“, geschweige denn „Massenpanik“ zu geraten, sondern dass viel eher festgestellt werden konnte, wie schnell sich unter den Betroffenen eine gemeinsame Identität herausgebildet hat. Diese gemeinsame soziale Identität, das Teilen der erlebten Bedrohung führte nicht zu egoistischem, sondern im Gegensatz zu kooperativem (z.B. Teilen von Wasser oder anderen knappen Ressourcen) Verhalten – auch unter Fremden und / oder in lebensbedrohlichen Situationen. So fanden sich in den Interviews auch regelmäßig Begrifflichkeiten wie „Zusammenhalt“ oder „Solidarität“. Dieses Wissen kann und muss laut Drury genutzt werden, um die Menschen, die Bevölkerung aktiv zu unterstützen, Resilienzen aufzubauen, Möglichkeiten zu geben, sich selbst zu helfen. 4 Dr. Laura Künzer (Team HF Hofinger, Künzer & Mähler PartG) sprach in ihrem Vortrag über „Mythen der Räumung und Evakuierung“. Angefangen bei den Basics (Zusammensetzung der Räumung [Reaktionszeit, Laufzeit, Stauzeit und Durchströmzeit des Ausgangs]) ging es schnell zu den Verbesserungsmaßnahmen über. Um eine möglichst kurze Reaktionszeit zu erreichen, muss der Alarm von allen wahrgenommen werden können und eindeutig verständlich sein. Dazu gehört sowohl, dass er für alle vernehmbar sein muss – z.B. auch für Mitarbeiter, die mit Gehörschutz arbeiten oder eine verminderte Hörfähigkeit haben, als auch, dass der Alarmton für alle, z.B. auch für neue Mitarbeiter oder Besucher als solcher wahrgenommen werden kann: Die Menschen müssen die Dringlichkeit des Alarms begreifen. Dies kann unter anderem durch die Art der Durchsage gesteuert werden (nicht zu langsam sprechen, die Gefahr benennen und den Ernst der Lage verdeutlichen). Besonders wichtig ist, dass der Alarm glaubwürdig ist. So können Fehlalarme oder Übungen ohne Nachbesprechung dazu führen, dass die Menschen weitere Alarme nicht mehr ernst nehmen. Über den Alarm hinaus brauchen Menschen klare Informationen (z.B. Wegweiser) und unmissverständliche Handlungsanweisungen. Laura Künzer betonte, dass die Gestaltung der Fluchtwege an das Stresslevel einer Räumungssituation angepasst werden muss: unbekannte Wege oder dunkle Wege stellen eine Hemmschwelle dar, genauso haben Menschen in Ausnahmesituationen eine erhöhte Bereitschaft, sich führen zu lassen und abzuwarten, was die Menschen um sie herum machen. Zu berücksichtigen sind in diesem Zusammenhang auch die Gewohnheiten des Menschen, der z.B. dazu neigt, den gewohnten Eingang als Ausgang zu nutzen – auch in Gefahrensituationen. 4 Hilfe zur Selbsthilfe, das Publikum zu selbstverantwortlichem Handeln zu „erziehen“, stand beim Vortrag „Audience Safety Empowerment“ von Dr. Daniel Brunsch (Universität Köln) im Fokus. Daniel Brunsch beschäftigt sich schon lange mit diesem Thema und hat bereits mehrmals Feldstudien bei diversen Festivals durchgeführt, um die direkte und präventive Ansprache beim Publikum zu testen. Ziel des sogenannten Audience Empowerment ist laut Brunsch die selbstständige Verhaltensaktivierung. Die Grundüberlegung ist dabei, dass jeder Einzelne nicht nur für sich sorgt, sondern auch bereit ist, auf seine Mitmenschen zu achten und zu helfen – ein Verhalten, das durch aktive Kommunikation unterstützt und gefördert werden muss – ein Vorgehen, das sich deutlich von der lediglich ereignisbezogenen Ansprache, wie sie bei momentan noch den meisten Veranstaltungen praktiziert wird, unterscheidet. Im Fokus steht die dauerhafte und kontinuierliche zwischenmenschliche

Themenschwerpunkt 6: Crowded Places – Sicherheit von Menschenmengen
Der Themenstrang Crowded Places wurde geprägt von zwei Vorträgen: Katharina Steinberg Controlled Crowding und seine Grenzen und Prof. Chris Kemp Necessary Safety Aspects for Crowded Spaces sowie einer Podiumsdiskussion zum Thema Sicherheit 2020 – wo soll das alles enden.

Sowohl Katharina Steinberg („Controlled Crowding und seine Grenzen“) als auch Prof. Chris Kemp (“Necessary Safety Aspects for Crowded Spaces“) haben sich in ihren Vorträgen auf umfangreiche praktische Erkenntnisse und dazugehörige Praxisbeispiele bezogen und hoben beide in ihren Vorträgen hervor, wie wichtig es ist, den Kontext zu betrachten und nicht auf Standardlösungen zu vertrauen. Steinberg wies in ihrem Vortrag auch noch einmal darauf hin, wie sehr sich die sogenannte „Customer“s Journey“ in der Zwischenzeit verändert hat: vom einfachen: „kommen – da sein – gehen“ hin zu komplexen Vorab-Interaktionsmodulen und Möglichkeiten, das Erlebnis „Event“ schon zuhause auf dem Sofa beginnen (und enden) zu lassen. Auch wies sie darauf hin, dass insbesondere das „Schlangestehen“ auch bewusst genutzt wird, Aufmerksamkeit und Verlangen zu kreieren – oftmals durchaus mit dem Wissen um die möglichen negativen Nebeneffekte. Beide Referenten bezogen sich in ihren Vorträgen immer wieder auf John Fruin, der mit den Level of Service eines der grundlegenden Bewertungsmodelle für Dichte und Wohlbefinden geschaffen hat. Zusätzlich zur tatsächlichen (objektiven) Dichte ist immer noch die gefühlte Dichte, also das Erleben und individuelle Bewerten der Situation zu berücksichtigen – das sich bei gleicher objektiver Dichte massiv unterscheiden kann, je nachdem, ob sich z.B. die Personen in einer Konkurrenzsituation befinden oder wie sie das „Drumherum“ (Informationsangebot, generell zur Verfügung stehender Platz, Serviceangebot etc.) bewerten. Auch die Bewertung einer Gefährdung ist jeweils individuell zu bewerten, nicht nur in Bezug auf die Frage, ob es sich um eine sich kontinuierlich entwickelnde Gefährdung („rising tide emergency“) oder eine plötzliche („rapid onset emergency“) handelt, sondern auch hier wieder ausschlaggebend die Frage, wie groß das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Umfeldes ist. Allerdings betonten beide Sprecher auch, dass nicht nur bewertet, sondern auch gerechnet werden müsse: wie lange braucht welcher Vorgang (z.B. das Schreiben eines Autogrammes oder die Befüllung einer Bahn), wieviel Platz braucht welche Handlung (Gehen, Stehen, Warten) usw.. Diese Grundforderungen wurden an einer Vielzahl von Beispielen aufgezeigt – verbunden mit ein paar einfachen, aber effektiven Maßnahmen zur Organisation von großen Menschenmengen, z.B. • Flächenkapazitäten ausrechnen! Es ist nicht tolerabel, nicht zu wissen, über welche Fläche und welche Kapazität man eigentlich spricht• Zusammenarbeit der Beteiligten mit Sicherheitsaufgaben sicherstellen (gemeinsame Planung, Koordinierungsgruppen etc.) und Präsenz zeigen • Hindernisse entfernen, Fluchten und freie Sichtlinien schaffen • ein angemessenes Müllkonzept etablieren (Wohlbefinden!) • nicht oder nicht stark genutzte FlächenAktivieren • Ausleuchtung verbessern • Treppen und Auf- & Abgänge nach Möglichkeit freihalten • Flächen gemäß Ihrer Nutzung trennen (z.B. Warteflächen und Straßen) 4 Gefolgt wurden die beiden Vorträge von einer großen Diskussionsrunde zur Frage „Sicherheit 2020- Wo soll das alles enden“ und wie uns die Zukunft der Sicherheitsplanung vorstellen. In seinem Einführungsvortrag wies Hans- Joachim Kensbock-Rieso noch einmal darauf hin, dass wir uns eigentlich sicher fühlen könnten – und, dass wir uns meist vor dem Falschen fürchten – so hat die Angst vor „Terrorismus“ deutlich zugenommen – insbesondere nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz. Ein verändertes Sicherheitsgefühl, eine allgemeine, unkonkreteGefahr durch Anschläge sowie nicht gekläre Fragen rund um Zuständigkeiten, Finanzen und Ressourcen bildeten die Grundlage für eine spannende Diskussion, in der es immer wieder um die Frage der Zusammenarbeit der öffentlichen und privaten Sicherheit ging. Beide Seiten sind dabei von gravierenden Ressourcenproblemen geprägt sowie oftmals auch von fehlendem Vertrauen in den jeweils anderen. Zu den personellen Problemen kamen noch Fragestellungen der technischen Machbarkeit und der Erwünschtheit – so wurde am Beispiel der Gesichtserkennung diskutiert, dass nicht alles, was machbar ist auch erwünscht ist – wobei insgesamt Uneinigkeit herrschte, ob gerade das Thema Videoüberwachung und Gesichtserkennung heutzutage nahezu normal sei – bzw. normal sein müsste. Einig waren sich jedoch alle Diskutanten, dass die aktuellen technischen Möglichkeiten schon jetzt weitaus größer seien, als deren tatsächliche Nutzung und dass eine Zukunft der Sicherheit sicher auch eine Zukunft der technischen Entwicklung ist.

Themenschwerpunkt 7: Sicherheit und Recht

Der Themenstrang „Sicherheit und Recht“ war auch in diesem Jahr wieder fester Bestandteil der Tagung. Die Mischung zwischen Vorträgen zu aktuellen Themen und Herausforderungen der Branche fand großen Anklang.

Eröffnet wurde der Strang durch den Vortrag „Delegation vs. Verantwortlichkeiten“ durch Rechtsanwalt Volker Löhr ((kanzleiLöhr). Das Thema ist ein Dauerbrenner und findet daher regelmäßig nicht nur neue Zuhörer, sondern es tauchen genauso regelmäßig auch neue Aspekte, die zu beleuchten sind, auf. Im Zentrum des aktuellen Interesses steht gerade vor allem die Position der Veranstaltungsleitung – verbunden mit der Frage, welche Kontrollen z.B. der Veranstaltungsleiter / die Veranstaltungsleiterin selbst durchführe und welche er an andere delegieren kann. Betont wurde an dieser Stelle vor allem auch noch einmal die Bedeutung der richtigen Delegation – ein bloßes allgemeines „Übertragen der Verantwortung für die Sicherheit“ ist dabei genauso wenig möglich wie der Satz „der Veranstaltungsleiter ist für die Sicherheit der Veranstaltung verantwortlich“. Die Notwendigkeit der Spezifizierung der Verantwortungsbereiche ist konsequenterweise dann auch die Hauptforderung des Vortrages gewesen. 4 Das zweite Thema „Versammlung vs. Veranstaltungen“, präsentiert von Christian K. Petersen vom Lorenz-von-Stein- Institut in Kiel, beleuchtete das Thema aus der juristischen Perspektive: Bei verschiedenen „Events“ wurden in der Vergangenheit veranstaltungsrechtliche oder aber versammlungsrechtliche Argumente für ein Verbot, eine Beauflagung oder Zulassung herangezogen. Am Beispiel der Entscheidung vom Verwaltungsgericht Meiningen vom 03.07.2017 zu den Neonazi-Konzerten in Themar wurde versucht, eine eindeutige Grenze zu ziehen. Das Beispiel zeigte gut: das ist nicht immer eindeutig möglich – und weil das Thema zu komplex für eine Kurzzusammenfassung ist, widmen wir uns dem Thema noch einmal ausführlich in einer der nächsten Ausgaben. Die juristische Aufarbeitung der Loveparade- Geschehnisse aus 2010 weckt auch über die Veranstaltungsbranche hinaus Interesse. Bei uns waren Rechtsanwalt Thorsten Storp (Urwantschky Dangel Borst Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB) und die freie Autorin Doro Blome-Müller zu Gast, die für den WDR den Strafprozess im Gericht begleitet und mit Kollegen in einem Blog zusammenfasst. Insbesondere der Vortrag von Blome-Müller „Ein Überblick: Der Loveparade-Prozess – was bisher geschah“ hinterließ dabei durchaus auch den ein oder anderen ratlosen Zuhörer. Es ist nun mal einfach schwierig zu vermitteln, dass kaum jemand zu seiner Verantwortung stehen will – aber wen wundert das in einer Atmosphäre, in der es von Anfang vorrangig um „wer“ und nicht das „warum“ ging. 4 Abgerundet wurde der Tag durch die Fragesession unter der bei Juristen beliebten Floskel „es kommt ganz darauf an: Sie fragen, wir versuchen zu antworten!“. Ebenfalls ein Klassiker der IBIT Fachtagung und des Themenschwerpunktes Recht. Die Experten des Tages stellten sich auf dem Podium den Fragen des Plenums und knüpften an die Diskussionen der vorherigen Sessions an. Es gab viele Fragen und auch Antworten – RICHTIG und FALSCH bleibt allerdings oft

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