Unser Kommentar: britische Behörden als Vorbild für uns Deutsche


Die IBIT-WelleEs bleibt schwierig: Während man von den deutschen Behördenvertretern ganz gerne mal eher für dumm verkauft (unvergessen: “Teile dieser Antwort würden …”) mit Ignoranz (“das lassen Sie mal unsere Sache sein”) oder Floskeln (“Es gibt keine 100%ige Sicherheit”) abgespeist wird, gehen die britischen Behörden durchaus offensiv mit dem Thema “was tun Sie, wenn Sie in eine Schießerei verwickelt werden”, “wie melden Sie Auffälligkeiten” etc. um – inclusive einer eigenen Facebook Seite mit Handlungshilfen und Tipps.
Allerdings haben die Reaktionen auf die Aufforderung, über das eigene “Vorbereitetsein” nachzudenken (Kerzen, Wasservorräte etc.) kein Vertrauen in die souveräne Handlungsfähigkeit des mündigen Bürgers geschaffen (“Behörde rät dazu, Lebensmittel zu bunkern – droht uns der 3. Weltkrieg?”).
Aber dennoch: die Variante, immer nur wild mit den Flügeln zu schlagen, wenn gerade wieder etwas passiert ist, funktioniert auch nicht – auf beiden Seiten nicht.
Es wäre wünschenswert, hier eine neutralere Informations- & Diskussionskultur – in Verbindung mit einem bewussten Umgang mit den Informationen – zu entwickeln. Mehr noch als um “preparedness” geht es schließlich um “awareness”: man kann Kerzen bevorraten, ohne zu glauben, dass eine akute Gefährdung droht. Genauso kann man sich auf das Verhalten bei einer Schießerei vorbereiten ohne Angst haben zu müssen, vor die Tür zu gehen. Ein bisschen mehr Ruhe und Souveränität wäre hier sicherlich angesagt .
Was jedoch ganz sicher nichtfunktioniert, ist das Festhalten an antiquierten Vorstellungen von Herrschaftswissen. Wenn man die Verantwortung für 500 Menschen trägt, die sich auf und im Umfeld von einer Bühne aufhalten, dann braucht es Information, ob es bekannte Gefährdungen im Hinblick auf z.B. einen Sprecher / eine Sprecherin auf dieser Bühne gibt. Nicht, um zu erfahren, ob diese Person gefährdet ist – sondern um herauszufinden, ob es die 500 anderen sind. „Lassen Sie das mal unsere Sache sein – Wir kümmern uns dann schon“ ist da wirklich keine zufriedenstellende Antwort.
Natürlich könnte man argumentieren, dass man ja so oder so vorbereitet sein muss – „Hausaufgaben machen“ haben wir gestern noch geschrieben und meinen das auch heute noch. Aber warum sollte man die Chance auf einen Informationsvorsprung nicht nutzen können? Das Zurückhalten von Informationen führt immer wieder zu problematischen Situationen – weil es eine aktive Beschneidung der Handlungskompetenz eines anderen ist.
Vielleicht ist hier ja ein bisschen mehr Vertrauen in die Mündigkeit des Gegenübers anagesagt – die britische Counter Terrorism Police jedenfalls (um irgendwie doch noch die Kurve zum Beginn des Beitrages zu schlagen) macht es mit ihrem Auftritt vor.

On Oktober 11th, 2017, posted in: News by