Neunter Jahrestag der Duisburger Loveparade

Heute jähren sich zum neunten Mal die Ereignisse der Duisburger Loveparade. Die meisten aus unserer Branche werden sich genau erinnern, wann und wo sie von diesem einschneidenden Unglück, das die deutsche Veranstaltungswelt so nachhaltig verändert hat, erfahren haben.
Vermutlich war den meisten auch von Anfang an klar, dass das Ergebnis eines Prozesses nicht zufriedenstellend sein kann – ein einfacher Blick auf die Wasserglas-Theorie nach Gottschalk/Gürtler 1959 macht dies mehr als deutlich: ist das Glas zu voll, ist jeder zusätzliche Tropfen zu viel – dies bedeutet aber nicht, dass der zusätzliche Tropfen die Schuld am Überlaufen trägt. Im Laufe der Zeit haben sich dann ja auch wie erwartet viele Menschen mit vielen Meinungen dazu geäußert – und noch heute hört man – wenn auch glücklicherweise nur noch selten – das “das soll hier ja nicht so werden wie …” Argument.
Nach 135 Prozesstagen ist aktuell Gerichtspause – wo der Prozess derzeit steht, was Zeugen zu berichten haben und den jeweiligen Versuch einer Einordnung der Aussagen halten insgesamt vier Gerichtsberichterstatter*innen im Blog des WDR „Der Loveparade-Prozess“ fest. Eine von Ihnen ist Doro Blome-Müller, die bereits auf der letzten Fachtagung #ibitft18 ihre gemachten Beobachtungen zusammengefasst und dabei durch aus auch den ein oder anderen ratlosen Zuhörer hinterlassen hat. Es ist nun mal einfach schwierig zu vermitteln, dass kaum jemand zu seiner Verantwortung stehen will – aber wen wundert das in einer Atmosphäre, in der es von Anfang vorrangig um “wer” und nicht das “warum” ging. Die vollkommen überdrehte Berichterstattung und das Gefühl, dass das Ereignis für den ein oder anderen eher ein Mittel zum Zweck der Selbstprofilierung war, haben ihr Übriges getan. Wir können uns das Leid der Angehörigen und der Beteiligten nicht vorstellen – nicht bei diesem und nicht bei anderen Unglücken – und so mag es sein, dass das “wer” ein wesentlicher Teil der Aufarbeitung gewesen wäre. Aus unserer Sicht ist das “warum” wichtig – aber auch das stößt an die Grenzen des “wer”. “Wir sitzen ja nicht auf der Anklagebank” z.B. ist ein Argument, das wir durchaus häufiger gehört haben, wenn wir über die Auswirkungen des polizeilichen Handelns gesprochen haben – oder sprechen wollten. Hier ist es scheinbar nicht möglich, “wer” und “warum” zu trennen – leider immer auf Kosten des “warum”.

https://blog.wdr.de/loveparade-prozess/
www.basigo.de/…/Sicherheitsba…/Sicherheitsbeurteilung