Jahrestag des Bradford Fires

Auf den Tag 33 Jahre ist es heute her, dass während eines Fußballspiels im englischen Bradford die Haupttribüne eines Fußballstadions in nur wenigen Minuten herunter brannte und 56 Zuschauer ums Leben kamen. Für unser kommendes MAGAZIN für Sicherheitskultur haben wir Martin Fletchers Buch „56 – The Story of the Bradford Fire” gelesen und rezensiert, veröffentlichen den Text aber zum Jahrestag des in Deutschland verhältnismäßig unbekannten Stadionunglücks schon vorab auf unserer Website.

Martin Fletcher (2015)
56 – The Story of the Bradford Fire
Bloomsbury Sport Verlag

Die Hillsborough-Katastrophe, bei der am 15.04.1989 96 Menschen starben, sollte auch über Großbritannien hinaus jedem ein Begriff sein, der sich je mit der Sicherheit auf Veranstaltungen beschäftigt hat. Bis in die Gegenwart reichen die Folgen der Katastrophe – nicht nur für den englischen Fußball, der in Folge des Taylor Reports u.a. ohne Stehplätze auskommen muss.
Mit einem, zumindest im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannten, aber kaum minderschweren Unglück bei einem Fußballspiel, setzt sich Martin Fletcher im 2015 im Bloomsbury Sport Verlag erschienenen 56 – The Story oft he Bradford Fire auseinander und schafft dabei ein spannendes, hochinteressantes, aber vor allem auch trauriges Stück teils autobiographische, teils investigative, Fußballliteratur.
Was sich im ersten Teil des Buches wie ein Stück Fußball-Romantik im Stil von Nick Hornbys Fever Pitch liest, wenn er seine Familie, seine Heimatstadt und den Weg in die Fußballvernarrtheit beschreibt, ist genau das, was einen im zweiten Teil erschaudern lässt.
Hier beschreibt Fletcher, wie er als 12-jähriger samt Vater, Bruder, Onkel und Großvater zum Spiel der Saison ins Bradforder Valley-Parade-Stadion aufbricht, aber nur er selbst am 11.05.1985 lebend das Stadion verlassen sollte. Alle vier Familienmitglieder gehören zu den 56 Zuschauern, die den Tag nicht überlebten. Dazu wurden 265 verletzt, als ein plötzlich ausbrechendes Feuer innerhalb von nur vier Minuten die gesamte aus Holz bestehende Haupttribüne verwüstete.
Während der Autor noch in Schockstarre ist, sind die Untersuchungen zum Feuer auch schon abgeschlossen und die festgestellte (vermeintliche) Brandursache – eine unachtsam weggeworfene Zigarette soll einen Müllhaufen unter der Tribüne entzündet haben – beschert dem Besitzer des Stadions eine hohe Versicherungssumme.
Es dauert Jahre, bis sich Flechter investigativ mit dem Brand und dem angefertigten Report auseinander setzt. Seine eigenen Untersuchungen bestimmen den letzten Teil des Buches. Dass dem Stadionbesitzer in den Vorjahren der Katastrophe bereits acht Immobilien abgebrannt sind, dieses hohe Maß an Pech in der glattgebügelt erscheinenden Untersuchung aber noch nicht einmal berücksichtigt wurde, ist einer von vielen Fakten, die erstaunlicherweise gar nicht so tief verborgen liegen, wie Fletcher es zunächst erwartet. Das regt zum Nachdenken an und erinnert häufig an die Vertuschungsversuche bei der Hillsborough-Katastrophe durch Teile der Polizei und Politik sowie Schmierenkampagnen des Boulevards.
Martin Flechter, der die Hillsborough-Katastrophe übrigens ebenfalls im Stadion selbst erlebt hat, hat ein packendes und vor allem vielseitiges Buch geschaffen. Das Stück Familien- und Fußballgeschichte ist unterhaltsam, die Beschreibung der Katastrophe samt ihrer Folgen bedrückend, unglaublich aufreibend und spannend zugleich, aber auch aufklärend und lädt dazu ein, sich mit dem Hergang im Mai 1985 selbst genauer zu beschäftigen.

Diese Buchrezension erscheint auch in der kommenden Ausgabe Das MAGAZIN für Sicherheitskultur.

On Mai 11th, 2018, posted in: News by