Unser Kommentar zu: Menschenmassen – Plötzlich Chaos


Die IBIT-WelleGrundsätzlich ist es ja immer gut, wenn vohandenes Wissen auch theoretisch bestätigt wird – nicht so schön ist es natürlich, wenn es so dargetellt, als seien die Erkenntnisse tatsächlich neu.
Was der Artikel (oder die Forschung) jedoch komplett ignoriert, dass das alleinige Zur-Verfügung-Stellen von infrastrukturellen #Warteschlangen nicht ausreicht, ein sicheres Umfeld an einem Eingang zu schaffen – nur durch das Zusammenspiel von Design & Infrastruktur, den notwendigen Informationen sowie einer geeigneten Organisation kann ein sicherer und guter Eingang geschaffen werden. Zusammengefasst wird dies in der sogenannten DIM-ICE Matrix, die die Notwendigkeit des Zusammenspieles der Faktoren Design – Information – Management in den verschiedenen Phasen einer Veranstaltung aufzeigt. Ein Einlass, in dem – wie hier beschrieben – 6 Personen/qm stehen, ist kein guter Einlass, genauso wenig wie eine Warteschlange, in der sich Besucher “vormogeln” können – beides zeugt von einem fehlenden Management der Warteschlange. Nur, wenn sich die Besucher tatsächlich darauf verlassen können, den Platz in der Warteschlange mit einem daraus resultierenden Platzanspruch verbinden zu können, kann ein geregelter Ablauf sichergestellt werden. Erreicht wird dieses zum Beispiel durch das Einteilen der Warteschlangen in kleinere Einheiten bis hin zur Vergabe von Nummern, die auch beim Verlassen der Schlange (z.B. bei einem Besuch der Toilette) den Platzanspruch erhalten.
Die Leitlinie, von der im Artikel die Rede ist, ist keine Leitlinie, sondern eine Wissenssammlung und das Ergebnis des BMBF geförderten Forschungsprojektes Basigo – Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen, an dem auch das IBIT beteilgt war. Viele der im Text angesprochenen Faktoren, die im Rahmen der Sicherheitspanung zu betrachten sind (was ehrlicherweise aber auch keine neue Erkenntnis ist), stammen aus von uns verfassten Kapiteln – insbesondere zum Thema Crowd Managment und Eingänge. Was allerdings Politiker (“Die neue Leitlinie hält Veranstalter wie Politiker dazu an….”) mit diesem Wissen anfangen sollen, erschließt sich nicht, da die Sicherheitsplanung von Veranstaltungen sicher nicht in den Händen von Politikern sondern von dafür geeigneten Fachleuten liegen sollte.

Quelle: https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-07/fussgaenger-draengeln-strassenverkehr-draengeln-physik-psychologie/seite-2

On Juli 27th, 2017, posted in: News by